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Die Geschichte
der Zukunft

Stay hungry. Stay foolish. Think different. Mit dieser Denkweise wurde Steve Jobs zum Inbegriff des modernen Innovators. Der legendäre Apple-Chef nahm auf angestammte Geschäftsmodelle keine Rücksicht. Mit dem iPhone 2007 veränderte er nicht nur das Telefonieren, sondern auch die Art, wie wir Musik hören, Fotos aufnehmen, uns in sozialen Netzwerken bewegen und vieles mehr. Alles findet vernetzt und mobil statt – und aus Sicht des jeweiligen Anbieters am besten innerhalb ein und desselben digitalen Ökosystems. Nie waren Disruptionen schneller, nie wurden bewährte Geschäftsmodelle gründlicher über den Haufen geworfen als heute. Auch in der Mobilität.

von Dr. Joachim Becker

Gute alte analoge Zeit, als ein Technologiewandel noch Jahrzehnte dauerte. 1950 gab es im Schienenverkehr fast nur Dampfloks. 25 Jahre später – also zu ihrem 150. Geburtstag – waren die feuerspeienden Dinosaurier praktisch ausgestorben. Im Jahr 2036 wird das Auto ebenfalls 150 Jahre alt. Wenn John Zimmer recht behält, werden Pkw, wie wir sie heute kennen, zwar noch massenhaft unsere Straßen bevölkern, für den Gründer des US-Fahrdienstes Lyft steht die „dritte Transportrevolu­tion“ trotzdem unmittelbar bevor.

 

Der Griff ans Lenkrad ein Auslaufmodell

 

2017 will Lyft die ersten autonomen Taxis einsetzen. Ein bis zwei Jahre später soll der Testbetrieb von einprogrammierten Routen auf variable Strecken erweitert werden. Bereits 2021 sind Roboter als Chauffeure für die Mehrheit der Lyft-Fahrten vorgesehen. „Gegen 2025 wird privater Autobesitz den Weg der DVD gehen“, erwartet John Zimmer: überholt vom technischen Fortschritt. Überzeugt hat er mit seinen Visionen zumindest General Motors. Anfang 2016 investierte der Opel-Mutterkonzern 500 Millionen Dollar in das kalifornische Start-up. Ford entwickelt ebenfalls autonom fahrende Autos, die Lenkrad und Pedalerie als überflüssigen Ballast abwerfen.

Für deutsche Autokäufer liegt das alles noch in weiter Ferne. Laut einer Ipsos-Umfrage erwarten sie im Schnitt erst im Jahr 2029 eine Markteinführung der Fahr­roboter. Viele stellen sich das autonome Fahren als erweitertes Assistenzsystem vor. Dass es in Städten bequemer sein könnte, autonome Taxis zu benutzen als ein eigenes Auto zu besitzen, können sich nur die allerwenigsten vorstellen. In den Vorstandsetagen der Automobilkonzerne herrscht dagegen Alarmstimmung: „Keiner der großen Dampflok-Hersteller hat den Wandel im Schienenverkehr überlebt und ist heute noch als unabhängiger Hersteller am Markt! Das wird uns nicht passieren!“, proklamierte Daimler-Chef Dieter Zetsche vor fünf Jahren. Die Autobosse wissen um die Gefahr, von neuen Mobilitätsanbietern möglicherweise zu reinen Hardware-Lieferanten degradiert zu werden, und steuern bereits gegen.

 

Bei aller Aufbruchstimmung darf man eines aber auch nicht vergessen: Noch im Jahr 2040 werden zwei Drittel aller Pkw – ob selbstfahrend oder nicht – einen konventionellen Verbrennungsmotor an Bord haben. Das prognostizieren zumindest diverse Studien.

» Digitale Disruption ist real. Sie passiert heute und jetzt und wird die Branchen in den kommenden Jahrzehnten fundamental verändern. Chance und Risiko sind gleichermaßen hoch. Wer sich jetzt nicht diesem Megatrend anpasst, wird den Anschluss verlieren

Doug Connor,
Leiter Digitale Transformation bei SAP

Der Blick in die Autobranche ist ein weiterer Beweis, dass sich die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle nicht mehr allein auf das Internet beschränkt. In der Frühzeit des World Wide Web waren vor allem der Handel und die Medien von der Digitalisierung betroffen. Printmedien verlieren seither an Auflage, weil ihnen die Onlineportale mit kostenlosen Informationsangeboten Konkurrenz machen. Auch die Vertriebskosten in vielen Bereichen des Handels sind dramatisch gesunken: Hersteller, Händler und Endkunden können per Internet direkt miteinander in Kontakt treten. Mittlerweile verlagert sich selbst der Lebensmittel-Einzelhandel langsam ins Web.

 

Alte Mächte, neue Größen

 

Vor gut zehn Jahren begann (parallel zur Gründung von Facebook) die zweite Phase der Internetökonomie: Plattformen schieben sich in immer mehr Branchen zwischen die Hersteller und ihre Kunden. Weil die digitalen Vermittler vergleichsweise wenig oder keine physischen Ressourcen benötigen, wachsen sie rasant und pflügen mit ihren hohen Gewinnmargen die traditionellen Geschäftsmodelle um: „Uber, das weltgrößte Taxi-Unternehmen, besitzt keine Fahrzeuge. Facebook, das weltweit größte Medium, produziert keine Inhalte. Alibaba, der wertvollste Händler der Welt, hat kein Inventar. Und Airbnb, der weltweit größte Zimmervermittler, besitzt keine Immobilien“, sagt der Netzexperte Tom Goodwin von Havas Media.

 

Agile Unternehmen können etablierte Marktführer schneller als jemals zuvor verdrängen, weil sie in der Lage sind, ihren Kunden eine bessere Qualität, einen schnelleren Service oder einen niedrigeren Preis für ihre Leistungen zu bieten. Unterstützt werden sie von neuen Technologien wie Cloud-Computing, Mobile oder Social Media, die auch künftig Treiber des Wandels sein werden. Das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und lernende Maschinen werden diese digitalen Basistechnologien noch erweitern. Schon bald werden wir uns ein Leben ohne sprachbasierte digitale Assistenten kaum noch vorstellen können. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts könnte das rein analoge Autofahren zur nostalgischen Freizeitbeschäftigung werden – so wie die Rundfahrt mit einer Dampflok heute.

Digitale Disruption

Die Digitalisierung verändert – ja, verdrängt bestehende Produkte und Branchen. Kein Zweig ist vor dieser disruptiven Entwicklung gefeit. Einer Umfrage der schweizerischen Wirtschaftshochschule IMD unter 941 Topmanagern aus aller Welt zufolge ist der Technologiesektor – wenig überraschend – am stärksten vom Strudel der digitalen Disruption (Grafik oben) betroffen – und wird es auch zukünftig sein. Viele weitere Branchen wie Medien, Handel, Finanzen, Telekommunikation oder Reisen haben den digitalen Wandel bereits in weiten Bereichen hinter sich. Anderen steht er noch bevor, allen voran der Pharmazie, die in Sachen Digitalisierung noch in den Kinderschuhen steckt.

233 Mrd.

Dollar soll der Gesamtmarkt für „Digital Health“, also digitale Produkte und Dienstleistungen zur Verbesserung der Gesundheit, bis zum Jahr 2020 betragen und sich damit mehr als verdoppeln. Wesentliche Einflüsse haben mobile Gesundheitslösungen („mHealth“) mit neuen Mobilfunktechnologien, Apps und Dienstleistungen. Aber auch digitale Kleidung zur Überwachung der Vitalfunktionen wird entwickelt.

 

Quelle: Arthur D. Little

5 Mrd.

Dollar von privaten Investoren verwaltet das Unternehmen Betterment – mit einem Computer als Fondsmanager. Das digitalisierte Anlageprogramm hat sein Volumen in den vergangenen eineinhalb Jahren verfünffacht. Im Gegensatz zu geschätzten 20 Billionen Dollar, die in den USA klassisch verwaltet werden, ist das noch recht wenig. Aber „Robo-Advice“, wie die „Beratung“ auf Grundlage von Algorithmen genannt wird, gewinnt an Popularität.

 

Quelle: Betterment

Talsohle erreicht?

Eine Branche, die bereits wesentliche Teile der digitalen Disruption hinter sich hat, ist die Musikindustrie. Bis zur Jahrtausendwende kannte sie nur eine Richtung: bergauf. Bis zu einem Umsatzhöhepunkt von 14 Milliarden Dollar allein in den USA. Filesharing-Plattformen wie Napster sorgten dann für den ersten Einbruch. Mit der Markteinführung von YouTube verstärkte sich die Disruption. Preiswerte oder gar kostenlose digitale Download- und Streamingangebote haben ehemals margenstarke Produkte wie LP, CD und Co. heutzutage fast vollständig in die Sammler- und Liebhabernische verdrängt.

 „Nicht Technologie, sondern die Einstellung der Menschen ist das Problem“

„Transformer“ nennen sich Tobias und Tina Burkhardt. Ihre Shiftschool hilft Unternehmen, den digitalen Wandel aktiv zu gestalten und nicht nur zu erleiden

Die Shiftschool ist Deutschlands erste Akademie für digitale Transformation. Statt theoretischem Wissen lernt man dort vor allem die praktische Kunst des Kulturwandels.

 

„Transformer“ nennen sich Tina und Tobias Burkhardt. Sie haben im vergangenen Jahr die Shiftschool in Nürnberg gegründet. Für Unternehmen, die den digitalen Wandel aktiv gestalten und nicht nur erleiden wollen. Vorbilder sind natürlich die Start-ups im Silicon Valley. Viele von ihnen sind nicht (nur) mit Hardware, sondern vor allem mit digitalen Geschäftsideen rasant gewachsen. Trotz Milliarden-Umsätzen und fünfstelliger Mitarbeiterzahlen bleiben Firmen wie Google, Facebook, Netflix oder Tesla hochdynamisch. Sie treiben neue Technologien derart schnell voran, dass die Wettbewerber kaum folgen können. Viele Vorstände der deutschen Automobilindustrie pilgern deshalb regelmäßig nach Kalifornien. Allen voran Daimler-Boss Dieter Zetsche. Neuerdings ohne Schlips und Anzug, versucht er mehr Gründergeist ins Unternehmen zu bringen: weniger hierarchische Umgangsformen und mehr Risiko- und Lernbereitschaft beim Ausprobieren neuer Geschäftsmodelle.

 

„Der Wandel scheitert oft an mangelnder Kommunikation innerhalb des Unternehmens, da spielen auch viele Emotionen mit“, ist Tobias Burkhardt überzeugt: „Man darf neue Dinge nicht im stillen Kämmerlein nach einer festen Technologie-Roadmap entwickeln, sondern muss den Kunden ins Zentrum stellen.“ Das ist leichter gesagt als getan. Neue digitale Trends entwickeln sich rasant, die „Visability“ (also die absehbare Entwicklung) reicht hier höchstens zwölf Monate voraus. „Die klassische Marktforschung funktioniert nicht mehr, weil die Kunden noch gar nicht wissen, was sie demnächst haben wollen“, ist Burkhardt überzeugt. Das könnte künftig auch für den Mobilitätsbereich gelten, denn eine Fülle neuer Sharing-Modelle lässt den eigenen Wagen gerade für Stadtbewohner zusehends unattraktiver erscheinen.

 

„Ich halte Zukunftsprognosen für sehr gefährlich, aber klar ist: die Veränderungsgeschwindigkeit wird eher noch zunehmen“, sagt Tobias Burkhardt, „man muss jetzt die Weichen stellen und gleichzeitig das alte Verkaufsmodell weitertreiben. Das ist das klassische Innovator’s Dilemma.“ Gerade Automobilunternehmen mit ihren langen Entwicklungszyklen und Modelllaufzeiten haben mit „kurzfristigen“ Veränderungen ihre liebe Not. Das vielerorts angekündigte autonome Fahren ist ja nicht nur eine technische Innovation, sondern erlaubt auch zahllose neue Geschäftsmodelle. Stichwort: Robotertaxis. Sie verbinden viele neue Technologien, darunter auch Sprach- und Bilderkennung, die im Prinzip schon seit Jahrzehnten bekannt sind.

 

„Technologischer Wandel findet häufig in Schüben statt: Nach einem relativ langsamen Start wird er plötzlich reif für viele Anwendungsgebiete“, so Burkhardt. Ausschlaggebend sei die richtige Verbindung mehrerer Technologien, die dann ein exponentielles Wachstum auslösen könnte. So wie bei Apples iPhone, aktuell bei digitalen Assistenten wie Amazons Alexa, Apples Siri oder Google Home. Und demnächst beim autonomen Fahren.

 

Fotos Shutterstock, Ryan Etter/Getty, Mark Garlick/Getty, Ivan Smuk/Colourbox, Shift School

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Innovative Wikinger

Da geht noch was

Das Ideenlabor der Autobauer

Die Digitalisierung hilft der energieintensiven Industrie, Ressourcen effizienter zu nutzen

Optimal vernetzt, technikaffin, kreativ, mutig – Skandinavien ist eine Hochburg des digitalen Fortschritts

Nicht nur Apple und Google sind im Silicon Valley zu Hause. Auch BMW, Daimler, GM & Co. visionieren dort

Die Online-Version des Technologiemagazins von Schaeffler

Die Geschichte der Zukunft

Die Digitalisierung verändert – ja, verdrängt bestehende Produkte und Branchen. Kein Zweig ist vor dieser disruptiven Entwicklung gefeit. Einer Umfrage der schweizerischen Wirtschaftshochschule IMD unter 941 Topmanagern aus aller Welt zufolge ist der Technologiesektor – wenig überraschend – am stärksten vom Strudel der digitalen Disruption (Grafik oben) betroffen – und wird es auch zukünftig sein. Viele weitere Branchen wie Medien, Handel, Finanzen, Telekommunikation oder Reisen haben den digitalen Wandel bereits in weiten Bereichen hinter sich. Anderen steht er noch bevor, allen voran der Pharmazie, die in Sachen Digitalisierung noch in den Kinderschuhen steckt.

233 Mrd.

Dollar soll der Gesamtmarkt für „Digital Health“, also digitale Produkte und Dienstleistungen zur Verbesserung der Gesundheit, bis zum Jahr 2020 betragen und sich damit mehr als verdoppeln. Wesentliche Einflüsse haben mobile Gesundheitslösungen („mHealth“) mit neuen Mobilfunktechnologien, Apps und Dienstleistungen. Aber auch digitale Kleidung zur Überwachung der Vitalfunktionen wird entwickelt.

 

Quelle: Arthur D. Little

5 Mrd.

Dollar von privaten Investoren verwaltet das Unternehmen Betterment – mit einem Computer als Fondsmanager. Das digitalisierte Anlageprogramm hat sein Volumen in den vergangenen eineinhalb Jahren verfünffacht. Im Gegensatz zu geschätzten 20 Billionen Dollar, die in den USA klassisch verwaltet werden, ist das noch recht wenig. Aber „Robo-Advice“, wie die „Beratung“ auf Grundlage von Algorithmen genannt wird, gewinnt an Popularität.

 

Quelle: Betterment

Talsohle erreicht?

Eine Branche, die bereits wesentliche Teile der digitalen Disruption hinter sich hat, ist die Musikindustrie. Bis zur Jahrtausendwende kannte sie nur eine Richtung: bergauf. Bis zu einem Umsatzhöhepunkt von 14 Milliarden Dollar allein in den USA. Filesharing-Plattformen wie Napster sorgten dann für den ersten Einbruch. Mit der Markteinführung von YouTube verstärkte sich die Disruption. Preiswerte oder gar kostenlose digitale Download- und Streamingangebote haben ehemals margenstarke Produkte wie LP, CD und Co. heutzutage fast vollständig in die Sammler- und Liebhabernische verdrängt.

Die Geschichte der Zukunft

Gute alte analoge Zeit, als ein Technologiewandel noch Jahrzehnte dauerte. 1950 gab es im Schienenverkehr fast nur Dampfloks. 25 Jahre später – also zu ihrem 150. Geburtstag – waren die feuerspeienden Dinosaurier praktisch ausgestorben. Im Jahr 2036 wird das Auto ebenfalls 150 Jahre alt. Wenn John Zimmer recht behält, werden Pkw, wie wir sie heute kennen, zwar noch massenhaft unsere Straßen bevölkern, für den Gründer des US-Fahrdienstes Lyft steht die „dritte Transportrevolu­tion“ trotzdem unmittelbar bevor.

 

Der Griff ans Lenkrad ein Auslaufmodell

 

2017 will Lyft die ersten autonomen Taxis einsetzen. Ein bis zwei Jahre später soll der Testbetrieb von einprogrammierten Routen auf variable Strecken erweitert werden. Bereits 2021 sind Roboter als Chauffeure für die Mehrheit der Lyft-Fahrten vorgesehen. „Gegen 2025 wird privater Autobesitz den Weg der DVD gehen“, erwartet John Zimmer: überholt vom technischen Fortschritt. Überzeugt hat er mit seinen Visionen zumindest General Motors. Anfang 2016 investierte der Opel-Mutterkonzern 500 Millionen Dollar in das kalifornische Start-up. Ford entwickelt ebenfalls autonom fahrende Autos, die Lenkrad und Pedalerie als überflüssigen Ballast abwerfen.

 

Für deutsche Autokäufer liegt das alles noch in weiter Ferne. Laut einer Ipsos-Umfrage erwarten sie im Schnitt erst im Jahr 2029 eine Markteinführung der Fahr­roboter. Viele stellen sich das autonome Fahren als erweitertes Assistenzsystem vor. Dass es in Städten bequemer sein könnte, autonome Taxis zu benutzen als ein eigenes Auto zu besitzen, können sich nur die allerwenigsten vorstellen. In den Vorstandsetagen der Automobilkonzerne herrscht dagegen Alarmstimmung: „Keiner der großen Dampflok-Hersteller hat den Wandel im Schienenverkehr überlebt und ist heute noch als unabhängiger Hersteller am Markt! Das wird uns nicht passieren!“, proklamierte Daimler-Chef Dieter Zetsche vor fünf Jahren. Die Autobosse wissen um die Gefahr, von neuen Mobilitätsanbietern möglicherweise zu reinen Hardware-Lieferanten degradiert zu werden, und steuern bereits gegen.

 

Bei aller Aufbruchstimmung darf man eines aber auch nicht vergessen: Noch im Jahr 2040 werden zwei Drittel aller Pkw – ob selbstfahrend oder nicht – einen konventionellen Verbrennungsmotor an Bord haben. Das prognostizieren zumindest diverse Studien.

 

Der Blick in die Autobranche ist ein weiterer Beweis, dass sich die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle nicht mehr allein auf das Internet beschränkt. In der Frühzeit des World Wide Web waren vor allem der Handel und die Medien von der Digitalisierung betroffen. Printmedien verlieren seither an Auflage, weil ihnen die Onlineportale mit kostenlosen Informationsangeboten Konkurrenz machen. Auch die Vertriebskosten in vielen Bereichen des Handels sind dramatisch gesunken: Hersteller, Händler und Endkunden können per Internet direkt miteinander in Kontakt treten. Mittlerweile verlagert sich selbst der Lebensmittel-Einzelhandel langsam ins Web.

 

Alte Mächte, neue Größen

 

Vor gut zehn Jahren begann (parallel zur Gründung von Facebook) die zweite Phase der Internetökonomie: Plattformen schieben sich in immer mehr Branchen zwischen die Hersteller und ihre Kunden. Weil die digitalen Vermittler vergleichsweise wenig oder keine physischen Ressourcen benötigen, wachsen sie rasant und pflügen mit ihren hohen Gewinnmargen die traditionellen Geschäftsmodelle um: „Uber, das weltgrößte Taxi-Unternehmen, besitzt keine Fahrzeuge. Facebook, das weltweit größte Medium, produziert keine Inhalte. Alibaba, der wertvollste Händler der Welt, hat kein Inventar. Und Airbnb, der weltweit größte Zimmervermittler, besitzt keine Immobilien“, sagt der Netzexperte Tom Goodwin von Havas Media.

 

Agile Unternehmen können etablierte Marktführer schneller als jemals zuvor verdrängen, weil sie in der Lage sind, ihren Kunden eine bessere Qualität, einen schnelleren Service oder einen niedrigeren Preis für ihre Leistungen zu bieten. Unterstützt werden sie von neuen Technologien wie Cloud-Computing, Mobile oder Social Media, die auch künftig Treiber des Wandels sein werden. Das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und lernende Maschinen werden diese digitalen Basistechnologien noch erweitern. Schon bald werden wir uns ein Leben ohne sprachbasierte digitale Assistenten kaum noch vorstellen können. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts könnte das rein analoge Autofahren zur nostalgischen Freizeitbeschäftigung werden – so wie die Rundfahrt mit einer Dampflok heute.

62 %

der Entscheider in der Öl- und Gasindustrie wollen in den kommenden drei bis fünf Jahren verstärkt in digitale Technologien investieren.

 

Quelle: Accenture Strategy

233 Mrd.

Dollar soll der Gesamtmarkt für „Digital Health“, also digitale Produkte und Dienstleistungen zur Verbesserung der Gesundheit, bis zum Jahr 2020 betragen und sich damit mehr als verdoppeln. Wesentliche Einflüsse haben mobile Gesundheitslösungen („mHealth“) mit neuen Mobilfunktechnologien, Apps und Dienstleistungen. Aber auch digitale Kleidung zur Überwachung der Vitalfunktionen wird entwickelt.

 

Quelle: Arthur D. Little

19 Billionen

Dollar soll laut Berechnungen das „Internet of Everything“ (IoE) – die Vernetzung zwischen Personen, Prozessen, Daten und Dingen – im Jahr 2020 erwirtschaften.

 

Quelle: Cisco

5 Mrd.

Dollar von privaten Investoren verwaltet das Unternehmen Betterment – mit einem Computer als Fondsmanager. Das digitalisierte Anlageprogramm hat sein Volumen in den vergangenen eineinhalb Jahren verfünffacht. Im Gegensatz zu geschätzten 20 Billionen Dollar, die in den USA klassisch verwaltet werden, ist das noch recht wenig. Aber „Robo-Advice“, wie die „Beratung“ auf Grundlage von Algorithmen genannt wird, gewinnt an Popularität.

 

Quelle: Betterment

Talsohle erreicht?

Eine Branche, die bereits wesentliche Teile der digitalen Disruption hinter sich hat, ist die Musikindustrie. Bis zur Jahrtausendwende kannte sie nur eine Richtung: bergauf. Bis zu einem Umsatzhöhepunkt von 14 Milliarden Dollar allein in den USA. Filesharing-Plattformen wie Napster sorgten dann für den ersten Einbruch. Mit der Markteinführung von YouTube verstärkte sich die Disruption. Preiswerte oder gar kostenlose digitale Download- und Streamingangebote haben ehemals margenstarke Produkte wie LP, CD und Co. heutzutage fast vollständig in die Sammler- und Liebhabernische verdrängt.

Die Geschichte
der Zukunft

1,14 Billionen

Fotos wurden hochgerechnet 2016 weltweit geschossen – so viele wie nie zuvor. Den mit Abstand größten Teil fangen nicht Kameras ein, sondern Smartphones, die die Bilder gleich verbreiten können. Jeden Tag werden allein 1,6 Milliarden Fotos über WhatsApp verschickt. Ein populäres Opfer der digitalen Disruption in der Fotobranche ist Kodak. Das US-Unternehmen war 1996 laut dem Marketinganalysten Interbrand die viertwertvollste Marke der Welt hinter Disney, Coca-Cola und McDonald’s. 16 Jahre später meldete Kodak Konkurs an.

» Digitale Disruption ist real. Sie passiert heute und jetzt und wird die Branchen in den kommenden Jahrzehnten fundamental verändern. Chance und Risiko sind gleichermaßen hoch. Wer sich jetzt nicht diesem Megatrend anpasst, wird den Anschluss verlieren

Doug Connor,
Leiter Digitale Transformation bei SAP

Digitale Disruption

Die Digitalisierung verändert – ja, verdrängt bestehende Produkte und Branchen. Kein Zweig ist vor dieser disruptiven Entwicklung gefeit. Einer Umfrage der schweizerischen Wirtschaftshochschule IMD unter 941 Topmanagern aus aller Welt zufolge ist der Technologiesektor – wenig überraschend – am stärksten vom Strudel der digitalen Disruption (Tabelle unten) betroffen – und wird es auch zukünftig sein. Viele weitere Branchen wie Medien, Handel, Finanzen, Telekommunikation oder Reisen haben den digitalen Wandel bereits in weiten Bereichen hinter sich. Anderen steht er noch bevor, allen voran der Pharmazie, die in Sachen Digitalisierung noch in den Kinderschuhen steckt.

  1. Technologie
  2. Medien und Unterhaltung
  3. Handel
  4. Finanzen
  5. Telekommunikation
  6. Bildung
  7. Hotel/Reisen
  8. Konsumgüter/Industrie
  9. Gesundheit
  10. Energieversorgung
  11. Öl und Gas
  12. Pharmazie

62 %

der Entscheider in der Öl- und Gasindustrie wollen in den kommenden drei bis fünf Jahren verstärkt in digitale Technologien investieren.

 

Quelle: Accenture Strategy

233 Mrd.

Dollar soll der Gesamtmarkt für „Digital Health“, also digitale Produkte und Dienstleistungen zur Verbesserung der Gesundheit, bis zum Jahr 2020 betragen und sich damit mehr als verdoppeln. Wesentliche Einflüsse haben mobile Gesundheitslösungen („mHealth“) mit neuen Mobilfunktechnologien, Apps und Dienstleistungen. Aber auch digitale Kleidung zur Überwachung der Vitalfunktionen wird entwickelt.

 

Quelle: Arthur D. Little

19 Billionen

Dollar soll laut Berechnungen das „Internet of Everything“ (IoE) – die Vernetzung zwischen Personen, Prozessen, Daten und Dingen – im Jahr 2020 erwirtschaften.

 

Quelle: Cisco

5 Mrd.

Dollar von privaten Investoren verwaltet das Unternehmen Betterment – mit einem Computer als Fondsmanager. Das digitalisierte Anlageprogramm hat sein Volumen in den vergangenen eineinhalb Jahren verfünffacht. Im Gegensatz zu geschätzten 20 Billionen Dollar, die in den USA klassisch verwaltet werden, ist das noch recht wenig. Aber „Robo-Advice“, wie die „Beratung“ auf Grundlage von Algorithmen genannt wird, gewinnt an Popularität.

 

Quelle: Betterment

Talsohle erreicht?

Eine Branche, die bereits wesentliche Teile der digitalen Disruption hinter sich hat, ist die Musikindustrie. Bis zur Jahrtausendwende kannte sie nur eine Richtung: bergauf. Bis zu einem Umsatzhöhepunkt von 14 Milliarden Dollar allein in den USA. Filesharing-Plattformen wie Napster sorgten dann für den ersten Einbruch. Mit der Markteinführung von YouTube verstärkte sich die Disruption. Preiswerte oder gar kostenlose digitale Download- und Streamingangebote haben ehemals margenstarke Produkte wie LP, CD und Co. heutzutage fast vollständig in die Sammler- und Liebhabernische verdrängt.

Fotos Shutterstock, Ryan Etter/Getty, Mark Garlick/Getty, Ivan Smuk/Colourbox, Shift School

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