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So geht
Beschleunigung

Viele sprechen vom Technologietransfer aus dem Motorsport – wie so etwas aussehen kann, demonstriert der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler mit dem Konzeptfahrzeug Schaeffler 4ePerformance. Herausgekommen ist ein wahrer Beschleunigungsgigant, der seine gewaltigen 1.200 Pferdestärken höchst intelligent auf die Straße bringt.

von Carsten Paulun  Dezember 2018

Es ist ein ganz normaler Tag auf dem Hochgeschwindigkeitstestgelände im italienischen Nardo. Grillen zirpen, die Sonne brennt noch nicht mit voller Kraft. Wir haben Frühjahr. Aus der Boxengasse rollt ein recht unscheinbares Fahrzeug in Richtung Teststrecke. Es erinnert an einen klassischen Tourenwagen. Nur warum ist der so leise? Die Antwort ist einfach: Es ist ein Elektroauto, aber nicht irgendeines, sondern das Konzeptfahrzeug 4ePerformance von Schaeffler. Am Steuer Lucas di Grassi. Als der Formel-E-Champion der Saison 2016/2017 das „Gaspedal“ durchdrückt, schießt weißer Rauch aus jedem der vier Radkästen und umhüllt den Schaeffler 4ePerformance wie der weiße Rauch den Schornstein der Sixtinischen Kapelle, wenn ein neuer Papst gewählt wurde. Nur dass hier kein irdisches Kir­chen­ober­haupt zu sehen ist, sondern ein grün-weiß lackierter Elek­tro­bo­li­de. Der 4ePerformance reißt die 200-km/h-Marke aus dem Stand in unter sieben Sekunden. Zum Vergleich: Das deutsche Fachmagazin „auto motor und sport“ listet den Hybridsportwagen Porsche 918 Spyder mit 7,4 Sekunden als schnellsten serienmäßigen 0-auf-200-Sprinter.

 

Vier E-Motoren, jeder leistet 300 PS!

 

Videoaufnahmen aus Nardo zeigen einen konzentrierten, Lucas di Grassi, der versucht einzuschätzen, welch Grenzerfahrung in den nächsten Minuten auf ihn zukommt. Die Rennhandschuhe packen das Lenkrad mit festem Griff. Der Rücken sucht Halt im Sportsitz. Die ersten Kurven rauschen heran, der Rennprofi wird zunehmend lockerer, genießt jede Richtungsänderung: „Supercool! Dank des einzigartigen Allradantriebes kann ich den 4ePerformance ganz easy in noch so scharfen Kurven kontrollieren.“ Möglich macht das das Konzept des 4ePerformance: Jedes Rad wird von einem eigenen Elektromotor angetrieben. Die E-Maschinen stammen aus den Original-Formel-E-Boliden, mit denen Lucas di Grassi und Daniel Abt in der Saison 2015/2016 ihre Rennen bestritten haben. Jeder leistet 220 kW/300 PS – zusammen also 1.200 PS. Viel wichtiger für die außergewöhnlich dynamische Kurvenfahrt: Drehzahl und Leistung von jedem Motor und damit von jedem Rad können einzeln geregelt werden. Somit unterstützt der 4e­Per­for­mance die Lenkbefehle des Fahrers. Torque Vectoring heißt das in der Fachsprache und setzt bei herkömmlichen Fahrzeugen ein aufwendiges Differenzialgetriebe an der Antriebsachse voraus. Beim 4ePerformance sorgt eine von Schaeffler entwickelte, ausgeklügelte Elektronik für den Gewinn an Sicherheit und Fahrspaß.

Schaeffler pflanzt 1.200 PS in eine Limousine und geht damit Supersportwagen jagen – nur mit Strom

autoevolution.com

Das Video über die Entwicklung des 4ePerformance und die Testfahrt von Lucas di Grassi

Der Teufel trägt Prada? Kann sein – ganz sicher aber tankt er Strom!

Autobild sportscars

Auch zwischen vorn und hinten kann die Leistung variiert und somit beispielsweise ein gewolltes Übersteuern des Hecks provoziert werden. „Das sind die kontrolliertesten Drifts, die ich jemals gefahren bin“, schwärmt Lucas di Grassi und meistert jede Kurve inzwischen ganz lässig mit einer Hand am Lenkrad.

 

Von Extremen lernen

 

„Durch die freie Skalierung der Antriebsleistung stellt das Fahrzeug für Schaeffler ein fahrendes Prüflabor dar“, erklärt Simon Opel, Leiter Sonderprojekte Motorsport bei Schaeffler, und ergänzt: „Derzeit erproben und entwickeln wir auf Basis einer physikalischen Fahrzeug- und Reifenmodellierung unsere eigene Fahrdynamikregelung. Gerade im Bereich der softwarebasierten Fahrdynamikregelung lernen wir dank des 4ePerformance enorm viel.“ Technologievorstand Prof. Peter Gutzmer sieht den 4ePerformance auch als Botschafter: „So wie Schaeffler seine technische Kompetenz von der ersten Stunde an in der Formel E einbringt, ist der Technologiekonzern auch in der Elektromobilität für den Serieneinsatz im Straßenverkehr Pionier und Partner für Komponenten- und Gesamtsystem-Lösungen.“

 

Und dieser Botschafter sorgt tatsächlich für erhöhten Puls nicht nur bei Motorsportfans. So schreibt das Internet-Portal autoevolution.com: „Schaeffler pflanzt 1.200 PS in eine Limousine und geht damit Supersportwagen jagen – nur mit Strom. Die akustische Seite dieses Monsters ist fast so beeindruckend wie seine Beschleunigung. An diesen Soundtrack werden wir uns gewöhnen müssen.“ Tatsächlich ist der 4ePerformance kein Leisetreter, auch wenn hier kein Verbrennungsmotor wummert. Dafür laufen diverse Lüfter und Pumpen. So erhitzt sich beispielsweise der zur besseren Gewichtsverteilung zweigeteilte Akku bei der Stromabgabe extrem. Als Kühlflüssigkeit setzen Schaeffler und Fahrzeugveredler ABT, der den 4ePerformance aufgebaut hat, eine nichtleitende Flüssigkeit ein. Wird die Batterie bei einem eventuellen Crash trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen beschädigt, kommt es nicht zu einem gefährlichen Kurzschluss. Mit einem markanten Heulton machen die Ölpumpen der Trockensumpfschmierung auf sich aufmerksam. Sie sorgen dafür, dass die differenziallosen Eingangstirnradgetriebe möglichst verschleißfrei arbeiten. Jedes Rad hat ein eigenes Getriebe, einen eigenen E-Motor und eine eigene Leistungselektronik. Jeder Motor dreht bis zu 14.000-mal pro Minute, zusammen stemmen alle vier Räder unglaubliche 1.280 Newtonmeter in den Asphalt.

 

Das Gewicht? Nebensache ...

 

Das hohe Drehmoment in Verbindung mit der von Schaeffler ausgeklügelten Regelelektronik lässt das Gewicht – der 4ePerformance bringt gut 1.800 Kilogramm auf die Waage – schnell vergessen. Redakteur Jens Dralle von der Fachzeitschrift „auto motor und sport“ bringt es auf den Punkt: „Was aber auch ziemlich egal ist, denn es fühlt sich hier drin nicht mehr so an, als ob du auf eine Kurve, eine Schikane, das Ende einer Gerade zufährst. Nein. Du bekommst es einfach vor den Latz geknallt. Anschwellendes Heulen, zack, dann ist wieder irgendwas da. Bremsen, Einlenken, Gas geben, was auch immer. Immer rasend schnell. Alles das, auf was du sonst mehr oder minder vehement zubeschleunigst, materialisiert sich nun einfach vor dir.“ Oder, um es mit den Worten von „Autobild sportscars“ auszudrücken: „Ein strammer Tritt aufs rechte Pedal, und das Teil poliert dir die Hirnrinde von innen; strafft jede Falte und vaporisiert dein althergebrachtes Verbrennergehabe fast schneller als seine Reifen. Der Teufel trägt Prada? Kann sein – ganz sicher aber tankt er Strom!“

Projekte wie der Schaeffler 4ePerformance beschleunigen die Entwicklung neuer Technologien – und laden überdies das Thema E-Mobilität auf faszinierende Art und Weise emotional auf

Prof. Peter Gutzmer, stellv. Vorstandsvorsitzender und Vorstand für Technologie der Schaeffler AG

Ideallinie: Dank des einzigartigen Allradantriebs mit fein justierbarem Torque Vectoring lässt der 4ePerformance Highspeed-Drifts zu

Beeindruckend sind aber nicht nur Vorwärts- und Querbeschleunigung. Ebenso wichtig ist die negative Beschleunigung, also die Bremse. Hätten Schaeffler und ABT es bei der Serienbremsanlage belassen, hätte der 4ePerformance trotz einer Vollbremsung bei Vollgas aus dem Stand heraus in nur sieben Sekunden Tempo 100 erreicht! Statt des weißen Rauchs hätten wir verglühende Bremsscheiben gesehen. Entsprechend der Motorleistung wurde die Bremsanlage komplett neu aufgebaut. Das Ergebnis beschreibt Jürgen Voigt, Testchef der „Auto-Zeitung“, mit „fulminanter Wirkung“.

 

Und was ist der 4ePerformance für seine Erfinder? Schaeffler sieht in ihm einen Schlüssel zur Entwicklung neuer Elektroautos, die wirklich Spaß ­machen.

Daniel Abt stellt einzigartigen Rekord auf

Der 4ePerformance setzt neue Beschleunigungsmaßstäbe und katapultiert dank Torque Vectoring heiße Kurvendrifts in eine neue Dimension. Das lässt Daniel Abt (oben), Formel-E-Profi und Teamkollege von Lucas die Grassi bei Audi Sport ABT Schaeffler, auch nicht kalt: „So eine Beschleunigung. Das ist das Krasseste, was ich je erlebt habe. Ich will nie wieder aufhören mit dem Scheiß!“ Muss er ja auch nicht, denn der Kemptener setzt noch einen drauf. Auf dem Testgelände im niedersächsischen Papenburg probiert er zunächst den „Lustmodus“ aus: Taste auf dem Rennlenkrad fünf Sekunden lang drücken, Schaltpedal kurz ziehen und Gas geben. Der 4ePerformance kreischt auf, die linken Räder drehen vorwärts, die rechten rückwärts – in einem atemraubenden Tempo beginnt der 4ePerformance auf der Stelle zu kreisen. Und demonstriert eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit von Torque Vectoring.

 

Doch dann schwitzt auch der PS-Profi: Mit dem 4ePerformance will er den Rekord im Rückwärtsfahren knacken. Der liegt zurzeit bei 162 km/h. Bei dem Rekordversuch muss sich Daniel Abt auf die Regelelektronik verlassen, Korrekturen am Lenkrad sind fast nicht möglich, der ­4ePerformance würde sofort von der Strecke fliegen. ­Erster Versuch 100 km/h, zweiter Versuch 132 km/h, dritter Versuch 170 km/h – der alte Rekord ist schon jetzt geknackt. Doch Daniel Abt setzt noch einen drauf, will rückwärtsfahrend einen vorwärtsfahrenden Porsche 911 GT2 RS im Beschleunigungssprint schlagen. Abt gibt zu: „Ich habe wirklich Angst!“ Beide Fahrer geben Vollgas, mit 178 km/h zieht Daniel Abt am Porsche vorbei. Abt reicht das noch immer nicht, er will die 200-km/h-Marke knacken. Im fünften Versuch gelingt es ihm: 209,7 km/h!

Der Autor

Als Motor-Journalist mit Benzin im Blut kann Carsten Paulun nie genug Leistung mit dem Fuß dirigieren. Umso besser, wenn er dies mit seiner zweiten Leidenschaft, der nachhaltigen Energieerzeugung, kombinieren kann.

Fotos Ingo Barensche (1), Schaeffler (1), Matthias Mockenhaupt (2)

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Daniel Abt stellt einzigartigen Rekord auf

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    Der 4ePerformance setzt neue Beschleunigungsmaßstäbe und katapultiert dank Torque Vectoring heiße Kurvendrifts in eine neue Dimension. Das lässt Daniel Abt (oben), Formel-E-Profi und Teamkollege von Lucas die Grassi bei Audi Sport ABT Schaeffler, auch nicht kalt: „So eine Beschleunigung. Das ist das Krasseste, was ich je erlebt habe. Ich will nie wieder aufhören mit dem Scheiß!“ Muss er ja auch nicht, denn der Kemptener setzt noch einen drauf. Auf dem Testgelände im niedersächsischen Papenburg probiert er zunächst den „Lustmodus“ aus: Taste auf dem Rennlenkrad fünf Sekunden lang drücken, Schaltpedal kurz ziehen und Gas geben. Der 4ePerformance kreischt auf, die linken Räder drehen vorwärts, die rechten rückwärts – in einem atemraubenden Tempo beginnt der 4ePerformance auf der Stelle zu kreisen. Und demonstriert eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit von Torque Vectoring.

     

    Doch dann schwitzt auch der PS-Profi: Mit dem 4ePerformance will er den Rekord im Rückwärtsfahren knacken. Der liegt zurzeit bei 162 km/h. Bei dem Rekordversuch muss sich Daniel Abt auf die Regelelektronik verlassen, Korrekturen am Lenkrad sind fast nicht möglich, der ­4ePerformance würde sofort von der Strecke fliegen. ­Erster Versuch 100 km/h, zweiter Versuch 132 km/h, dritter Versuch 170 km/h – der alte Rekord ist schon jetzt geknackt. Doch Daniel Abt setzt noch einen drauf, will rückwärtsfahrend einen vorwärtsfahrenden Porsche 911 GT2 RS im Beschleunigungssprint schlagen. Abt gibt zu: „Ich habe wirklich Angst!“ Beide Fahrer geben Vollgas, mit 178 km/h zieht Daniel Abt am Porsche vorbei. Abt reicht das noch immer nicht, er will die 200-km/h-Marke knacken. Im fünften Versuch gelingt es ihm: 209,7 km/h!